Kindliche Sexualität 100 Jahre nach Freud

Wie sein großer Verrat heute noch nachwirkt

Das Thema „Missbrauch“ ist riesig, und schon seit einiger  Zeit wird immer deutlicher, WIE häufig und weit verbreitet sexuelle und nichtsexuelle Gewalt gegen Kinder vorkommt. Am liebsten möchten wir mit solchen Scheußlichkeiten nichts zu tun haben, aber laut dem empfehlenswerten Handbuch „Was ist bloß mit Alex los?“ muss man statistisch davon ausgehen, dass in jeder normalen Schulklasse mindestens 1-2 betroffene Kinder sitzen.

Ein ca. 6jähriges Mädchen mit Turnschuhen, aber einem rosa Tüllrock und einer Blüte im Haar fasst strahlend die Hand eines bärtigen Mannes, der sich mit der anderen Hand auf dem Rücken wie in einem alten höfischen Tanz vor ihr verbeugt. Das Bild strahlt heitere Verspieltheit aus und hat nichts Anrüchiges oder Sexuelles.
Ankündigung des Artikels in raum&zeit

Einerseits können sich diejenigen von uns, die keine Täter und keine Betroffenen sind, nicht vorstellen, wie man „so etwas“ tun kann, andererseits herrscht offenbar eine gewisse Unsicherheit, inwieweit Kinder denn wirklich keinen Sex haben wollen. Der grüne Europa-Abgeordnete Daniel Cohn-Bendit beschrieb in seinem Buch „Der große Basar“ unter anderem, wie Kinder im Vorschulalter sich an seinem Hosenladen zu schaffen machten.  Aus pädophilen Kreisen ist zu hören, es gebe auch einvernehmlichen Sex mit Kindern und der sei großartig.

Das Interessante ist, dass es für die These, nach der schon Kleinkinder Erwachsene aktiv zu Sex  „verführen“, eine berühmte Grundlage gibt, und dass diese Grundlage ihrerseits als Widerruf einer gegenteiligen Haltung entstand. Kurz gesagt: Sigmund Freud höchstpersönlich veröffentlichte zunächst nach jahrelanger Forschung seine These von der traumatisierenden Wirkung sexueller Beziehungen zwischen Kindern und Erwachsenen und verteidigte sie lange hartnäckig.  Nach etlichen Jahren, in denen deutlich wurde, dass ihn diese Haltung im Kreise der  Wissenschaftler und Honoratioren isolierte, widerrief er schließlich und behauptete nun das Gegenteil. Er habe sich getäuscht, und alle Berichte über sexuellen Missbrauch seien nur die erotischen Fantasien der Kinder. Näheres in meinem Artikel in der raum & zeit Nr. 219.

Dass Kinder erklären, Mutter oder Vater heiraten zu wollen und spielerisches Einüben späterer  Rollen (wie im Bild gezeigt) ist jedoch nicht Ausdruck sexuellen Verlangens. „Doktorspiele“ als Ausdruck kindlichen Forscherdranges, die eigenständige Erkundung des eigenen Körpers und dessen angenehmer Stimulierung  gab es schon immer. Im Zunehmen begriffen sind (nicht immer allseits freiwillige) Nachahmungshandlungen unter Kindern aufgrund der allgegenwärtigen medialen Sexualität und im Zusammenhang mit der Frühaufklärung. Noch ganz etwas anderes sind jedoch konkrete sexuelle Handlungen mit Erwachsenen. 

Von den Fällen platter physischer Gewaltanwendung des Erwachsenen abgesehen:  Ein Kind ist massiv beziehungsbedürftig und abhängig von seinen erwachsenen Bezugspersonen. Um zu gefallen, es recht zu machen und willkommen zu sein, ist es zu allem bereit. Deswegen können Erwachsene ein Kind dazu erziehen, sexuelle Handlungen zu dulden oder sogar aktiv anzustreben. Manche Kinder arbeiten für Nähe, indem sie Klavier spielen, brav oder klug oder schön sind, andere, indem sie sexuelle Aktivitäten anbieten oder zulassen. 

Aber ein Kind sollte für Nähe gar nicht arbeiten müssen. Sie ist die Luft, die es zum Atmen braucht. Mit bedingungsloser Annahme stärken wir daher ein Kind am wirkungsvollsten gegen Missbrauch.

In meinem soeben erschienenen Artikel „Kindliche Sexualität – was wir hundert Jahre nach Freud darüber wissen“ habe ich die entwicklungspsychologischen Zusammenhänge dargestellt und freue mich auf euer/Ihr Feedback. In meinen geschützten FREIGROSSWERDEN-Foren habe ich den Artikel zum Lesen zur Verfügung gestellt. Vielleicht ist das Forum der „Wachstumsgruppe“ für Eltern oder des „Arbeitskreises“ für professionell mit Entwicklungspsychologie befassten Menschen genau richtig für Sie?

Es ist an der Zeit, entwicklungspsychologisch und damit im Einklang mit der Natur denken, verstehen und vor allem wieder fühlen zu lernen!

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Meine nächsten Angebote

OPs statt Geburtshilfe

Zwischen den Zeilen gelesen: Am Beispiel einer Klinik im Umfeld von Bremen, dem Josef-Hospital in Delmenhorst, wird die derzeitige Tendenz deutlich. Ich bin empfindlich für solche Meldungen, weil die führende Stellvertreterin für natürliche Geburten Anna Rockel-Loenhoff nun schon über zwei Jahre im Gefängnis sitzt.

In der Osnabrücker Zeitung steht also nett und positiv, dass es einen Chefarzt-Wechsel gibt und dass in diesem Zusammenhang auch 5! Hebammen gekündigt haben. Die bisherige Chefärztin Dr. Lüdemann

„war nach außen ein prägendes Gesicht des Josef-Hospital. „Die Geburtsmedizin wurde von den Delmenhorster Familien gut in Anspruch genommen“, sagt auch Friedel. Zuletzt waren die Geburtenzahlen JHD deutlich gestiegen. „Dass bei uns mehr Kinder das Licht der Welt erblicken, liegt sicher auch daran, dass wir uns das Vertrauen der Gebärenden erarbeitet haben“, sagte Lüdemann noch im Sommer. „In diesem Zusammenhang danken wir Frau Dr. Lüdemann, die sich hier sehr große Verdienste um unser Haus und für die Familien erworben hat, auch wenn wir unterschiedliche Auffassungen über die künftige strategische Ausrichtung der Frauenklinik hatten“, sagt jetzt Friedel. Diese unterschiedlichen Auffassungen haben dann offensichtlich den Weg für eine weitere gemeinsame Zusammenarbeit verstellt.

Mit neuem Chefarzt neue Wege gehen

Mit Dr. Aref Latif soll nun ein neuer Weg an der Wildeshauser Straße eingeschlagen werden. Schon Latifs Vater hat als Chirurg gearbeitet.

Also die künftige strategische Ausrichtung der Klinik richtet sich nicht nach dem Vertrauen der Gebärenden – sondern es handelt sich offenbar um eine ökonomische Strategie. Operationen bringen, besonders in einer alternden Gesellschaft, nun mal mehr Geld als eine Atmosphäre des Vertrauens für Geburten. Ich bin dankbar, dass der einzige Online-Kommentar zu diesem Zeitungsartikel auf diese Hintergründe hinweist:
„In Delmenhorst wurde eine Geburtshilfe betrieben, die nicht im Einklang mit der Fallpauschale steht. Statt mehr Kaiserschnitte kompetente Betreuung! Fr. Dr. Lüdemann hat sich sowohl um das Haus als auch um die Geburtshilfe mehr als verdient gemacht. Aber nicht medizinsche Kompetenz entscheidet, sondern betriebswirtschaftliche Spezialisten, die sich super mit Zahlen auskennen, aber null Ahnung von wirklicher medizinischer Betreuung haben. Ein weiteres Beispiel wie die neoliberale Fallpauschale unsere medizinische Versorgung immer weiter zerstört. Aber macht ja nichts, schlechte Behandlung schaffen weiteres Verdienstpotential 🙁 Sind ja nur die Prekären aus Delmenhorst die das trifft. Die anderen werden sich sehr schnell umorientieren. “

Nur ein kleines Beispiel. Wieso sind eigentlich unsere Krankenhäuser inzwischen ganz selbstverständlich Wirtschaftsbetriebe?
Wir werden uns von dieser kranken Medizinwirtschaft lösen und wieder selbst die Verantwortung für unsere Gesundheit übernehmen müssen, wenn wir gesund leben und gebären wollen.

Inhaftierte Hebamme Anna Rockel-Loenhoff erhält Gefangenen-Literaturpreis

Ich habe Anna seit ihrer Verurteilung im Sommer 2016 und ihrer Inhaftierung am 23.Dezember 2016 nun schon viele Male über das Gefängnistelefon interviewt. Hier die Playlist.
Jetzt war sie anlässlich der Verleihung des Ingeborg-Drewitz-Preises für Gefängnisliteratur in Dortmund, und ich habe die Gelegenheit genutzt, sie

Digitalisierung – Kinder brauchen unseren Schutz!

Ein wunderbarer, wichtiger Beitrag von Prof. Spitzer zur Digitalisierung! Genau mein Reden Wir haben hier eine riesige Verantwortung.
https://youtu.be/cn4M3ZYV5-o
Ich glaube, dass wir lernen müssen, mit dieser neuen Technik umzugehen – ich erzähle ja immer das Beispiel aus meiner Kindheit, wo in den Salamander-Schuhgeschäften Röntgengeräte standen,

Zu neuen Ufern… Rundbrief FREIGROSSWERDEN #1

Liebe Leserin, lieber Leser,

zwölf erfüllte und erfüllende Jahre lang habe ich in enger Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Gordon Neufeld das deutschsprachige Neufeld-Programm mit seinen Kursangeboten aufgebaut. Nun haben sich unsere Wege getrennt.  Zu meinem Bedauern ist die internationale Leitung zu dem Schluss gekommen, dass meine publizistische Arbeit zu umstrittenen Themen mit einer Rolle im Neufeldinstitut nicht länger vereinbar ist. Der Vorteil: Ich kann ab jetzt ohne Vorbehalte die Gesamtheit meines Wissens- und Erfahrungsschatzes zur Verfügung stellen.

Haben unsere Kinder noch genug Zeit zum Spielen?

Neues Video: Dagmar Neubronner antwortet Jennifer Hein, Erzieherin und Mitarbeiterin der Stiftung  www.fuerkinder.org. Schon Kleinstkinder werden heute nicht mehr dem „unstrukturierten freien Spielen“ überlassen, sondern mit Lernprogrammen und strukturierten Spielen eingedeckt. Das Ziel ist, ihre Problemlösungsfähigkeit zu entwickeln – aber geht das so?

Wann wird die Bindung an Gleichaltrige zum Problem?

Es ist wunderbar, wenn Kinder gern mit anderen Kindern spielen und wenn sie Freundschaften entwickeln. Gefährlich wird es, wenn diese Beziehungen wichtiger werden als die zu den verantwortlichen Erwachsenen. Denn Gleichaltrige sind nicht dazu da, unserem Kind Halt und Orientierung zu geben.
Dagmar Neubronner  antwortet Jennifer Hein, Erzieherin  und ehrenamtliche Mitarbeiterin von fuerkinder.org, der Stiftung des 2011 verstorbenen bekannten Pädagogen Wolfgang Bergmann.
https://youtu.be/L8FAQLvsRmQ

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Gelingende Bindung hängt nicht von Methoden ab – Beispiel Haptonomie

Neues Video: Dagmar Neubronner antwortet Jennifer Hein, Erzieherin und Mitarbeiterin der Stiftung  www.fuerkinder.org. Haptonomie ist eine besonders einfühlsame und gleichwürdige Art, wie Mutter und Vater ein Kind schon während der Schwangerschaft in unserer Welt willkommen heißen können.

Was geht in diesem kleinen Kopf bloß vor?

Wer hat sich nicht schon gefragt: Was geht in diesem Kinderkopf vor? Manchmal ahnen wir intuitiv, warum ein Kind sich „rätselhaft“ verhält, aber oft reagieren wir auch sehr verhaltensorientiert: Egal warum das Kind etwas Unerwünschtes tut, es soll gefälligst damit aufhören, und zwar sofort!

Die Verhaltenspsychologie lehrt uns außerdem, dass wir auf unerwünschtes Verhalten immer sofort, neudeutsch „zeitnah“ reagieren müssen, damit das Kind lernt, was es lassen soll.

Das Problem ist nur: Oft weiß das Kind ziemlich gut, dass es „das“ nicht darf und soll – und tut es trotzdem. Tja. Wieso? Wenn wir genau hinschauen, tun auch wir Erwachsene oft Dinge, von denen wir eigentlich genau wissen, dass wir sie lieber lassen sollten – oder ist das nur bei mir so?

Das Problem beim „konsequenten zeitnahen Reagieren“ ist folgendes: Dieses Vorgehen geht von der Annahme aus, dass ein Kind, wenn es zum Beispiel  die Mama oder das kleine Brüderchen haut oder sich weigert, in den Kindergarten zu gehen, „zielorientiert“, also absichtlich und überlegt handelt. „Ich haue jetzt die Mama, damit ich doch noch den Keks bekomme, ich weine jetzt, damit ich zu Hause bleiben darf.“ Diese Fälle gibt es zwar auch, besonders wenn das Kind die Erfahrung macht, dass  die Eltern sich durch solche Verhaltensweisen umstimmen lassen. Aber meistens handelt das Kind einfach aus seinen überschäumenden Emotionen heraus – genau wie auch wir Erwachsene aus der emotionalen Wucht einer Situation heraus so Manches sagen oder tun, das wir eigentlich nicht wollen.

Immer wenn das der Fall ist, hilft „konsequentes Reagieren“ dem Kind nicht weiter. Emotionen kann man nicht verbieten, sie sind da und müssen Ausdruck finden – sonst wird das Kind krank oder ein gefühlsgebremster Schatten seiner selbst. Unsere Aufgabe als verantwortlicher Erwachsener ist, dem Kind zu helfen, auch mit seinen dunklen und wilden Emotionen „sozialverträglich“ umgehen zu lernen.  Das geht nicht von heute auf morgen – aber wenn wir die Zusammenhänge und Entwicklungsvorgänge erkennen, fällt es uns viel leichter, unser Kind hilfreich beim Reifwerden zu begleiten, anstatt es mit „Peitsche und Zuckerbrot“ verhaltensorientiert zu lenken.

Für alle, die sich ein tiefes entwicklungspsychologisches Verständnis wünschen, bietet das Neufeldinstitut auch in diesem Jahr wieder den „Intensivkurs 1 – Kinder verstehen“ an. In 20 wöchentlichen Lektionen machen Sie sich anhand von Lehrvideos mit Prof. Neufeld  (in deutscher Übersetzung) mit den Grundgesetzen der kindlichen Entwicklung vertraut,  und in unseren wöchentlichen Begleittreffen vertiefen wir online die Inhalte und besprechen alle Fragen, die sich daraus ergeben.
Dieser Online-Kurs beginnt am 7. September 2017 (20-21:30) bzw. am 12. September (10-11:30).
Intensivkurs 1 „Kinder verstehen“
mit Ausbildungsleiterin Dipl.Biol. Dagmar Neubronner. Dieser Kurs ist gleichzeitig Voraussetzung für die Teilnahme am „Intensivkurs Spielen“ mit Prof. Gordon Neufeld in Berlin Herbst 2018 sowie erster Bestandteil der Ausbildung zum Neufeld-Kursleiter.

Vitamin B wie Bindung – der große Neufeld-Elternkurs Teil 1 bietet ab 8.9. in 8 Lektionen eine grundlegende, praxisorientierte Einführung in entwicklungsfördernde Erziehung. Mit Neufeld-Kursleiterinnen Verena Benedetti und Isa Noethen.

Kinder unter 7 verstehen – was können wir von jungen Kindern schon erwarten, was noch nicht, was brauchen sie, welche Fehler sollten wir vermeiden? 4 Lektionen, 5 Online-Abende mit Neufeld-Kursleiterinnen Claudia Deuber-Gassner und Verena Peter, ab 20.9.

Weitere Online-Kurse in diesem Herbst:

Der Faktor Unterrichtbarkeit – Neufeldkurs für Lehrkräfte, 8 Lektionen, 9 Online-Abende ab 12.10. mit Neufeld-Kursleiterinnen Michael Miedaner und Ute Weder-Jannaschk.

Herzensangelegenheiten – die Wissenschaft der Emotionen“ mit Ausbildungsleiterin Dipl.Psych. Jule Epp. Dieser Kurs beginnt am 3. November 2017 und wird am 23.3. 2018 wiederholt.
Wer wissen möchte, wie ein Online-Neufeldkurs abläuft, kann einmal monatlich (Dienstag 5.9. ist es wieder soweit!) zum kostenlosen und unverbindlichen, einstündigen Schnupperseminar von 16-17 Uhr kommen: Einfach PÜNKTLICH zu
https://neufeld.adobeconnect.com/deutschmisc gehen, dort „als Gast eintreten“ wählen, und los geht’s…

Auch vor Ort gibt es Veranstaltungen unserer KursleiterInnen, schauen Sie sich auf unserer Terminseite um oder kontaktieren Sie KursleiterInnen in Ihrer Nähe.  

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